RA Hecht im Interview

H. Meyer:

Herr RA Hecht, mit welchen Rechts- und Streitfragen beschäftigt sich Ihre Kanzlei?


RA Hecht:

Ich beschäftige mich hauptsächlich mit dem Familienrecht, Erbrecht, Zivilrecht, davon Unterpunkte: Verkehrsunfall, dem Arbeits- und dem Handelsrecht, als Notar wiederum mit dem Familienrecht (Eheverträge, Scheidungsabreden), dem Grundstücksrecht, dem Firmenrecht, also von der Firmengründung bis zur Verschmelzung oder im ungünstigen Fall ihrer Beerdigung.


H. Meyer:
(zuckt)

Ist das nicht ein bisschen viel?


RA Hecht:

Klingt viel, ist aber ganz einfach. In meiner Kanzlei steht der Mensch als Mandant im Vordergrund. Die Probleme, die der normale Bürger haben kann, werden in meiner Kanzlei bearbeitet. Ich will Ihnen mal ein Beispiel geben: Sie heiraten. Die Chance, daß Ihre Ehe hält, steht 1 : 1; bekanntlicherweise wird jede 2. Ehe geschieden. Keiner der Eheleute wünscht dieses Ergebnis beim Gang zum Standesamt; so ist einfach das Leben. Wenn der Fall bei Ihnen eintritt, stehe ich Ihnen selbstverständlich zur Seite und führe mit Ihnen das Scheidungsverfahren durch oder soll ich Ihnen etwa sagen, ich mache nur Erbrecht, suchen Sie sich einen anderen Anwalt? Ebenso ist, wenn Sie der Erbfall ereilt, was ja jenseits der Trauer um den Verstorbenen wirtschaftlich heutzutage meist lukrativ ist. Sie kennen mich und die Arbeitsweise meiner Kanzlei, z.B. aus dem Scheidungsfall. Sie waren zufrieden. Soll ich Sie jetzt wegschicken. Selbstverständlich bearbeite ich auch Ihren Erbrechtsfall. Oder Sie hatten einen Verkehrsunfall und lernten mich bei der Schadensabwicklung kennen, Sie waren zufrieden. Dann tritt der Scheidungs- oder Erbfall ein. Selbstverständlich stehe ich Ihnen zur Verfügung. Das Gleiche gilt für Arbeitsstreitigkeit und Ähnliches. Das Kanzleikonzept hat das Leben geschrieben. Seit gut 40 Jahren bin ich in Gießen anwaltlich und auch seit fast 25 Jahren als Notar tätig. Meine vielen Mandanten haben meine Arbeitsweise kennengelernt, z.B. als Scheidungsanwalt und waren zufrieden. Sie kamen dann auch mit der Unfallsache oder umgekehrt. Daraus hat sich das Konzept entwickelt, daß meine Kanzlei Antwort gibt auf alle Wechselfälle des Lebens und wir hilfreich an der Seite unseres Mandanten stehen und für diesen die Sache durchkämpfen.


H. Meyer:

Wichtige Frage: Was kosten Sie denn?


RA Hecht:
(zuckt)

Wenn Sie Glück haben: Nichts, aber immer Vorschuß nach Gesetz. Wir haben in Streitsachen den guten Gebrauch, daß der Prozeßverlierer alle Kosten zu tragen hat, auch die Anwaltskosten der siegreichen Partei. So steht es dann im Urteil, deshalb haben Sie mich auch beauftragt. Wenn Sie nicht siegen können, sage ich Ihnen das vorher, ebenso wenn Ihre Prozeßchance ungewiß ist. Dann entscheiden Sie, ob Sie den Rechtsstreit führen wollen oder nicht. Führen Sie den Rechtsstreit gegen meinen Rat, laufen Sie Gefahr viel Geld zu verlieren; Prozesse sind teuer.


H. Meyer:

Zusatzfrage: Erhält der Sieger immer Kostenerstattung?


RA Hecht:

In Zivilstreitsachen ist das der Normalfall. Sie zahlen Kostenvorschuß. Nach Sieg zum Prozeßende wird der Gegner in die Kosten - auch Ihre - verurteilt und muß diese Ihnen erstatten. Nur in Scheidungsfällen und Arbeitsrechtsstreitigkeiten erster Instanz gilt dieser Grundsatz nicht. Obwohl Sie gewinnen (bzw. Ihr Ziel erreichen) haben Sie Ihre Anwaltskosten selbst zu tragen.


H. Meyer:

Aber zuerst habe ich die Kosten zu zahlen?


RA Hecht:
(lacht)

Ja, das nennt man Vorschußpflicht.


H. Meyer:

Wie hoch ist denn der Vorschuß?


RA Hecht:

Anwaltshonorare sind kein Geheimnis, das ist gesetzlich vorgegeben. Bei Prozeßbeginn, gleich ob Kläger oder Beklagter, zahlen Sie entsprechend des Streitwertes Vorschuß auf die anfallenden Gebühren.


H. Meyer:

Schließen Sie auch Gebührenvereinbarungen?


RA Hecht:

In dem vom Gesetz vorgegebenen Rahmen sind Gebührenabreden möglich. Jeder Mandant sollte jedoch vor Abschluß einer Honorarabrede mit dem Rechtsanwalt diese Frage genau klären. Die gesetzlichen Gebühren sind Pauschalgebühren, unabhängig wie schwierig und umfangreich der Fall ist. Der Mandant weiß genau, was sein Anwalt kostet. Zeithonorarabreden werden immer moderner, sind jedoch für den Mandanten unkalkuliert. Das ist wie bei einem "Ballon" -Kredit; am Anfang kleine Raten, zum Schluß der dicke Brummer. Ich rate meinen Mandanten von Zeithonorarvereinbarungen ab, denn am Schluß sind beide Seiten unzufrieden: Der Mandant zahlt mehr als er nach Gesetz hätte zahlen müssen; der Anwalt hat deshalb einen unzufriedenen Kunden, denn die Kostenerstattung erfaßt das Zeithonorar nicht. Ich möchte mich aber mit dem Mandanten über den Prozeßsieg freuen. Der Gegner hat gefälligst die Kosten zu tragen und zwar vollständig.


H. Meyer:

Welche Kosten treffen mich, wenn ich Sie als Notar beauftrage?


RA Hecht:

Dann haben Sie das große Los im Rechtsverkehr gezogen. Der Notar ist ein vielfaches billiger, als der Rechtsanwalt; Sie haben das Ergebnis sofort, ohne Rechtsstreit. Voraussetzung ist allerdings, daß Sie sich mit Ihrem Gegner einig sein müssen; der Gegner also Vertragspartner ist und nicht Beklagter. Die Gebühren im Notariat sind gesetzlich festgelegt (GNotKG). Der Notar hat ein Staatsamt inne. Die Gebühren sind vorgegeben und die richtige Gebührenerhebung wird vom Staat obendrein kontrolliert. Es gibt keinen Verhandlungsspielraum.